Interview: Die ungarische Kunst der Entspannung

Klara Strompf, Tourismusexpertin und Beraterin für MICE-Reisen nach Ungarn

Lesen Sie im ersten Teil unseres Interviews mit der ungarischen Tourismusexpertin Klara Strompf, was Deutsche von den Ungarn lernen können, und welche Attraktionen Ihr Reiseführer Ihnen vorenthält.

balaton-wein.de:

Frau Strompf, Sie sind gebürtige Ungarin und leben bereits seit über 25 Jahren in Deutschland. Was an Ungarn vermissen Sie am meisten?

Klara Strompf:

Ich vermisse die ungarische Lockerheit im guten Sinne. Hierzulande ist alles so streng geregelt und straff geplant. Es wird viel über Relaxen und Wellness gesprochen, aber so richtig entspannen oder aus ganzem Herzen feiern und den Emotionen freie Bahn lassen, das tun die Deutschen nur selten. Ich wünsche mir mehr Unverkrampftheit, so wie sie bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 gelebt wurde. Alle waren freundlich und das ganze Land war in Partystimmung. Die Gäste aus aller Welt fanden es toll, wie herzlich und locker die Deutschen sind! Nach der WM wurden dann alle wieder ernst. Ich kann allen Deutschen, Touristen wie Geschäftsleuten nur raten: Kommen Sie nach Ungarn. Wir bringen Ihnen die Kunst der Entspannung dauerhaft bei!

Bereits während Ihres Studiums haben Sie ein Praktikum in der DDR gemacht. Ihr beruflicher Werdegang führte Sie vom Fremdenverkehrsamt in Budapest über die Hilton-Gruppe schließlich nach Deutschland. Gibt es etwas an Deutschland, das Ihnen in Ungarn fehlt?

Oh ja, die ordentlichen Häuser und Höfe mit den hübschen Blumen. Und Deutschland ist so organisiert – in allen Bereichen. Auch die politische Landschaft, in der die Parteien zwar „streiten“, die Politiker aber trotzdem respektvoll miteinander umgehen. In unserer jungen ungarischen Demokratie hören sich die Politiker nicht richtig zu – ein gemeinsames Gläschen Wein und etwas mehr Ruhe würden bestimmt helfen!

Hat der Beitritt Ungarns zur EU vor über sechs Jahren das Selbstbild der Ungarn beeinflusst? Und wird Ungarn im Ausland, besonders in Deutschland, nun anders wahrgenommen?

Das Reisen ist für uns wesentlich einfacher geworden, dadurch fühlen wir uns integriert. In Deutschland sieht man uns nicht mehr als ehemaliges „Ostblock-Land“, sondern als einen europäischen Staat, in dem man gerne Urlaub macht. Ungarn ist mit dem Flugzeug oder dem Auto schnell zu erreichen. Sogar eine Wohnung oder ein Häuschen lohnen sich für viele Stammgäste, denn die Lebenshaltungskosten sind immer noch niedriger als in anderen europäischen Ländern. Zwar warten wir noch auf den Euro und unsere Gäste müssen noch in Forint rechnen, aber gerade unsere Wellness-Angebote und viele andere Dienstleistungen sind daher deutlich günstiger als in Deutschland. Auch ein Kuraufenthalt in Ungarn ist nun leichter möglich, da durch EU-Regelungen ein Teil der Kosten von den deutschen Krankenkassen übernommen wird.

Ungarn ist schon immer ein beliebtes Reiseziel für die Deutschen gewesen. Gibt es trotzdem noch echte „Geheimtipps“ für Ungarn-Besucher?

Selbstverständlich habe ich so meine Geheimtipps! Wie etwa die Skanzen Weinstube in Tihany, wo Sie bei typisch ungarischem Essen wundervolle volkstümliche Holzschnitzereien bestaunen können. Und wenn Sie das Sissi-Schloss Gödöllő besuchen, wie wäre es dann mit einem Abstecher zum Lázár Pferdepark der Brüder Vilmos und Zoltán Lázár, beide mehrfache Weltmeister im Zweiergespannfahren.

Das Kisfaludy Haus in Badacsony bietet, neben seiner hervorragenden Küche und exzellenten Weinen, einen atemberaubenden Blick auf den Balaton und ist damit auch einer meiner Geheimtipps. Beim Besuch des Festetics-Schloß in Keszthely empfehle ich Ihnen zum Kaffee den köstlichen Kardinalkuchen aus der Konditorei des Marzipanmuseums, das sich ganz in der Nähe befindet.

Und selbst in Budapest gibt es noch Neues zu entdecken: Wussten Sie, dass der Burgberg von einem unterirdischen Labyrinth durchzogen ist, das man sogar besichtigen kann? Hier gibt es noch eine Besonderheit, nämlich einen Wasserhahn, aus dem Rotwein fließt. Und das sind nur einige meiner Geheimtipps, die ich Urlaubern mit auf den Weg geben kann!

Im zweiten Teil des Interviews gibt Klara Strompf viele ganz persönliche Empfehlungen rund um das herbstliche Ungarn: Goldener Herbst für Aktivurlauber und Genießer.

Klara Strompf ist gebürtige Ungarin und lebt mit ihrer Familie seit über 25 Jahren in Deutschland. Sie war in verschiedenen Funktionen in der Tourismubranche tätig, unter anderem bei Hilton International und dem Ungarischen Tourismusamt. Heute ist Klara Strompf selbstständige Beraterin für MICE-Reisen nach Ungarn. MICE steht für Meetings, Incentives, Conferences & Exhibitions und organisiert auf Firmenkunden ausgerichtete Programme. Weitere Informationen zu Frau Strompf und ihren Beratungsleistungen finden Sie auf ihrer Homepage www.hungarian-rhapsody.de.

DZ Online-Redaktion

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